Was ist ein Herpes-Test?
Ein Herpes-Test weist das Herpes-simplex-Virus (HSV) nach, entweder direkt aus einer Hautstelle oder indirekt über Antikörper im Blut. Es gibt zwei Virustypen: HSV-1 sitzt meist am Mund und verursacht Lippenherpes, wird aber immer häufiger auch im Genitalbereich gefunden. HSV-2 ist der klassische Erreger von Genitalherpes [5]. Beide bleiben nach der Ansteckung lebenslang im Körper. Welcher Test was kann, zeigt die Tabelle:
Abstrich (PCR) | Bluttest (IgG-Antikörper) | |
Was er zeigt | Virus in einer Stelle, aktuelle Infektion zum Zeitpunkt des Tests | Kontakt mit dem Virus, Infektion irgendwann im Leben |
Voraussetzung | frisches Bläschen oder offene Stelle | keine, Blutprobe |
Typ 1 oder Typ 2 | ja | ja, bei Typ 1 aber ohne Körperstelle (Mund oder Genital) |
Zeitfenster | nur solange die Stelle frisch ist | 2 Wochen bis 3 Monate nach Ansteckung |
Treffsicherheit | Sensitivität 96,7 bis 100 % | viele falsch-positive Befunde bei knappen Werten |
Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion, ein Nachweis des Virus-Erbguts) aus einer frischen Stelle ist der Goldstandard [1,2]. Ist die Stelle schon verkrustet oder abgeheilt, sinkt die Trefferquote deutlich [2]. Wer ohne Beschwerden "auf Herpes testen" will, landet deshalb zwangsläufig beim Bluttest.
Wie häufig ist Herpes?
Herpes gehört zu den häufigsten Viren überhaupt. In Europa tragen je nach Land zwischen 52 und 84 Prozent der Erwachsenen Antikörper gegen HSV-1, die meisten seit der Kindheit [6]. Gegen HSV-2 sind es im Schnitt 12,4 Prozent, bei Frauen 14,0 Prozent, bei Männern 8,2 Prozent [7]. Westeuropa liegt dabei am oberen Ende, Deutschland bei rund 14 Prozent, die Schweiz bei 19,1 Prozent [6,7].
Die meisten wissen nichts davon. Rund 70 bis 90 Prozent der Menschen mit Herpes-Antikörpern haben keine Diagnose, weil sie nie Beschwerden hatten oder diese nicht zuordnen konnten [5,8]. Ein positiver Befund sagt also nichts über dein Sexleben aus. Er sagt nur, dass du zur Mehrheit gehörst, die irgendwann Kontakt mit einem sehr verbreiteten Virus hatte.
Warum ist ein Herpes-Test ohne Symptome ein Problem?
Ein Herpes-Bluttest ohne Symptome liefert zu oft ein falsches oder nutzloses Ergebnis. Beim am häufigsten eingesetzten Test (HerpeSelect HSV-2) liegt die Spezifität bei Indexwerten zwischen 1,1 und 2,9 bei nur 39,8 Prozent [1]. Nicht einmal jedes zweite positive Ergebnis in diesem Bereich stimmt also. Die USPSTF rechnet bei Menschen ohne Symptome mit rund 50 Prozent falsch-positiven Befunden [3,9]. Eigentlich bräuchte es dann einen Bestätigungstest, der aber kaum verfügbar ist [1].
Ein positiver HSV-1-Befund hilft dir ebenfalls nicht weiter. Weil die Mehrheit der Erwachsenen diese Antikörper trägt, ist er der Normalfall. Er zeigt auch nicht, ob das Virus am Mund oder im Intimbereich sitzt [1]. Ein früher negativer Test ist ebenso wenig aussagekräftig: Antikörper brauchen 2 Wochen bis 3 Monate, die CDC empfehlen einen Test frühestens 12 Wochen nach dem vermuteten Kontakt [1]. Mehr dazu im Artikel zum Testfenster bei STI.
Bleibt die Frage, was aus dem Ergebnis folgen würde. Herpes ist nicht heilbar und dass das Wissen um den eigenen Antikörperstatus ohne Symptome Übertragungen verhindert, ist nicht belegt. Die USPSTF kommt zum Schluss, dass die Nachteile eines Screenings, also Angst, Stigma und Belastung in der Beziehung, den Nutzen überwiegen [3,10]. Genau deshalb ist Herpes kein Teil von Standard-STI-Paketen, auch nicht bei uns.
Wann ist ein Herpes-Test sinnvoll?
Ein Herpes-Test ist sinnvoll, wenn es einen konkreten Anlass gibt und dann gehört er in ärztliche Hände. Leitlinien nennen vier Situationen [1,4]:
eine frische Stelle im Intimbereich: Abstrich per PCR
wiederkehrende oder untypische Beschwerden, bei denen kein Abstrich möglich war oder er negativ ausfiel
eine Partnerin oder ein Partner mit bestätigtem Genitalherpes, um zu klären, ob beide das Virus tragen
eine Schwangerschaft, wenn die Partnerin oder der Partner Herpes hat
In all diesen Fällen muss das Ergebnis eingeordnet werden, am besten von einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der auch die Beratung übernimmt. Ein Laborbefund ohne dieses Gespräch lässt dich mit mehr Fragen zurück als vorher.
Bläschen im Intimbereich: Herpes oder etwas anderes?
Eine wunde Stelle im Intimbereich lässt sich mit freiem Auge nicht sicher zuordnen, auch nicht von Ärzt:innen. Das typische Bild mit mehreren kleinen, schmerzhaften Wunden zeigt sich nur bei rund 35 Prozent der Männer mit Genitalherpes [11]. Umgekehrt sieht manches wie Herpes aus und ist etwas anderes. Fotos im Internet zu vergleichen bringt deshalb nichts.
Mögliche Ursache | Typisches Bild |
Herpes | mehrere kleine, schmerzhafte Bläschen oder Wunden |
Syphilis | meist eine einzelne, schmerzlose, harte Stelle, 10 bis 90 Tage nach dem Kontakt [12] |
Reibung, kleine Verletzung | nach Sex oder Rasur, heilt schnell |
Kontaktallergie oder Reizung | Rötung, Juckreiz, oft nach neuem Produkt |
Reaktion auf Medikamente | an derselben Stelle nach jeder Einnahme |
Hauterkrankung | z. B. Lichen sclerosus (chronische Entzündung der Genitalhaut), eher langwierig |
Quelle: Roett 2020 [13], ergänzt um [12].
Die wichtigste Infektion auf dieser Liste ist Syphilis. Weil sie nicht wehtut, wird sie leicht übersehen. Die CDC empfehlen deshalb bei jeder wunden Stelle im Genitalbereich einen Herpes-Abstrich plus einen Test auf Syphilis und HIV [1]. Syphilis und HIV sind bei noquestionsasked in den Paketen Smart und Ultimate enthalten, über eine Blutprobe im Partnerlabor. Den Herpes-Abstrich bekommst du bei der Ärztin oder dem Arzt.
Genitalherpes bei Frau und Mann: Was ist anders?
Genitalherpes verläuft bei Frauen und Männern grundsätzlich gleich, der Unterschied liegt vor allem im Ort. Beim ersten Ausbruch mit Beschwerden bilden sich gruppierte Bläschen auf geröteter Haut, die zu schmerzhaften Wunden werden und nach zwei bis drei Wochen verkrusten. Oft kommen Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten in der Leiste dazu [5,14].
Bei Frauen betrifft Genitalherpes typischerweise Schamlippen, Scheideneingang und Damm. Der Gebärmutterhals ist häufig mitbetroffen, oft unbemerkt. Brennen beim Wasserlassen ist bei Frauen häufig und oft stark [5,14]. Bei Männern sitzen die Stellen meist an Eichel, Vorhaut oder Penisschaft, Brennen und Ausfluss aus der Harnröhre sind seltener [5,11].
Häufiger als jeder Ausbruch ist gar keiner: In einer Studie verliefen 74 Prozent der ersten HSV-1- und 63 Prozent der ersten HSV-2-Infektionen bei Frauen ohne Beschwerden [14]. Der Virustyp entscheidet, wie es weitergeht. Bei genitalem HSV-2 haben 70 bis 90 Prozent im ersten Jahr einen Rückfall, im Median vier bis fünf. Bei genitalem HSV-1 sind es nur 20 bis 50 Prozent, im Median ein Rückfall, danach wird es meist ruhig [2,15].
Kann man Genitalherpes ohne Sex bekommen?
Genitalherpes ohne sexuellen Kontakt ist selten. HSV-2 wird fast ausschließlich beim Sex übertragen [5]. Genitaler HSV-1 entsteht meist durch Oralsex mit einer Person, die Lippenherpes hat, auch wenn gerade kein Bläschen sichtbar ist [8,16]. Das Virus lässt sich mit den Fingern von einer Körperstelle auf eine andere übertragen, das kommt aber selten vor und am ehesten bei einer frischen Erstinfektion [17].
Klobrille, Handtuch und Sauna spielen praktisch keine Rolle, weil das Virus direkten Haut- oder Schleimhautkontakt braucht [5,17]. Mehr zu solchen Übertragungsmythen im Artikel STI-Mythen im Check.
Was bedeutet das für Österreich?
Für Österreich gibt es keine eigenen Zahlen zu Herpes. Weder die große europäische Meta-Analyse von 2023 noch die europäische Vergleichsstudie von 2004 enthalten österreichische Daten [6,7], und Herpes ist in Österreich nicht meldepflichtig [18]. Aus den Nachbarländern lässt sich ableiten, dass die Werte hier im europäischen Mittel liegen dürften, also rund 10 bis 15 Prozent für HSV-2 und 70 bis 85 Prozent für HSV-1. Das ist eine Schätzung, keine Messung.
Für dich heißt das praktisch: Bei einer frischen Stelle führt der Weg zur Hautärzt:in, Gynäkolog:in, Urolog:in oder in eine STI-Ambulanz. Je frischer die Stelle, desto aussagekräftiger der Abstrich [2]. Wer sich nach einer riskanten Situation ohne Beschwerden absichern will, ist mit einem STI-Test auf Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis und HIV besser beraten als mit einem Herpes-Bluttest. Wie die Wege in Wien im Vergleich aussehen, liest du in STI-Test in Wien: alle Wege im ehrlichen Vergleich.
Häufige Fragen
Kann man Herpes im Blut testen? Ja, über IgG-Antikörper gegen HSV-1 und HSV-2. Der Bluttest zeigt aber nur, dass du irgendwann Kontakt mit dem Virus hattest, nicht wann und bei HSV-1 nicht, ob am Mund oder im Genitalbereich. Bei knapp positiven Werten ist er außerdem häufig falsch-positiv. Ohne Beschwerden raten die Leitlinien deshalb davon ab [1,3].
Warum ist Herpes nicht im STI-Test enthalten? Weil CDC, USPSTF und WHO ein Herpes-Screening ohne Symptome nicht empfehlen. Der Bluttest liefert zu viele falsch-positive Ergebnisse, und aus einem positiven Befund folgt ohne Beschwerden keine Behandlung, die Übertragungen nachweislich verhindert. Standard-STI-Pakete verzichten deshalb darauf, auch bei noquestionsasked [1,3,4].
Schützen Kondome vor Herpes? Teilweise. Konsequent verwendet senken Kondome das Risiko einer HSV-2-Ansteckung um rund 30 Prozent [19]. Sie schützen Frauen deutlich besser als Männer [20]. Vollständig schützen sie nicht, weil das Virus über Haut übertragen wird, die das Kondom nicht bedeckt, weil es oft ohne sichtbare Bläschen ausgeschieden wird und weil Oralsex ungeschützt bleibt [1,5].
Wie lange nach dem Kontakt ist Herpes nachweisbar? Antikörper im Blut sind 2 Wochen bis 3 Monate nach der Ansteckung nachweisbar. Die CDC empfehlen einen Bluttest frühestens 12 Wochen nach dem vermuteten Kontakt [1]. Bei einer frischen Stelle ist der Abstrich per PCR die bessere Wahl, weil er das Virus sofort nachweist und Typ 1 von Typ 2 unterscheidet [1,2].
Kann ich Genitalherpes ohne Sex bekommen? Selten. HSV-2 wird fast immer sexuell übertragen, genitaler HSV-1 meist durch Oralsex mit einer Person, die Lippenherpes trägt. Selbstübertragung mit den Fingern ist möglich, aber selten. Gegenstände wie Handtücher oder Klobrillen spielen praktisch keine Rolle, weil das Virus direkten Hautkontakt braucht [5,17].
Ohne Symptome sagt dir ein Herpes-Test wenig. Mit Symptomen gehört er zur Ärztin. Ein STI-Test auf Syphilis und HIV beantwortet in beiden Fällen, was sich klar beantworten lässt.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden oder Fragen zur Therapie wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
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Quellenliste
[1] Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1 bis 187. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1 (HerpeSelect-Spezifität 39,8 Prozent bei Index 1,1 bis 2,9; Serologie frühestens 12 Wochen nach Kontakt; bei Genitalulkus Test auf Syphilis und HIV)
[2] Miller JM, Binnicker MJ, Campbell S, et al. Guide to Utilization of the Microbiology Laboratory for Diagnosis of Infectious Diseases: 2024 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and the American Society for Microbiology (ASM). Clin Infect Dis. 2024. doi:10.1093/cid/ciae104 (PCR als Goldstandard, Sensitivität 96,7 bis 100 Prozent, geringere Ausbeute bei verkrusteten Läsionen)
[3] US Preventive Services Task Force, Mangione CM, Barry MJ, et al. Serologic Screening for Genital Herpes Infection: US Preventive Services Task Force Reaffirmation Recommendation Statement. JAMA. 2023.
[4] Abu-Raddad LJ, Chemaitelly H, Wald A, Johnston C. Herpes Simplex Virus Type 2 Screening in Persons with and Without HIV: Evidence, Challenges, and Future Directions. Curr HIV/AIDS Rep. 2026. (inkl. WHO-Position: keine Empfehlung für bevölkerungsweites Screening)
[5] Gnann JW, Whitley RJ. Genital Herpes. N Engl J Med. 2016;375(7):666 bis 674. doi:10.1056/NEJMcp1603178
[6] Pebody RG, Andrews N, Brown D, et al. The seroepidemiology of herpes simplex virus type 1 and 2 in Europe. Sex Transm Infect. 2004. (HSV-1 52 bis 84 Prozent; Österreich nicht enthalten)
[7] Alareeki A, Osman AMM, Khandakji MN, et al. Epidemiology of herpes simplex virus type 2 in Europe: systematic review, meta-analyses, and meta-regressions. Lancet Reg Health Eur. 2023. (HSV-2 12,4 Prozent, Frauen 14,0 Prozent, Männer 8,2 Prozent; Österreich nicht enthalten)
[8] Johnston C, Wald A. Genital Herpes. JAMA. 2024.
[9] Asher GN, Feltner C, Harrison WN, et al. Serologic Screening for Genital Herpes: Updated Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA. 2023. (rund 50 Prozent falsch-positiv bei Asymptomatischen)
[10] Yeung H, Sheth AN, Collins LF. Reaffirmed USPSTF Recommendation Against Serologic Screening for Genital Herpes: Empowering Clinicians and Reducing Potential Harm. JAMA Dermatol. 2023.
[11] Mass Lindenbaum M, Calderón D, Aslot V, et al. Visual clues: dermatological manifestations of sexually transmitted infections in men. Nat Rev Urol. 2026. (typisches Bild mit mehreren schmerzhaften Ulzera: Sensitivität rund 35 Prozent)
[12] Peeling RW, Mabey D, Chen XS, Garcia PJ. Syphilis. Lancet. 2023.
[13] Roett MA. Genital Ulcers: Differential Diagnosis and Management. Am Fam Physician. 2020.
[14] Garland SM, Steben M. Genital Herpes. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2014. (74 Prozent der ersten HSV-1- und 63 Prozent der ersten HSV-2-Infektionen bei Frauen asymptomatisch)
[15] Tuddenham S, Hamill MM, Ghanem KG. Diagnosis and Treatment of Sexually Transmitted Infections: A Review. JAMA. 2022. (Rückfälle im ersten Jahr: HSV-2 70 bis 90 Prozent, HSV-1 20 bis 50 Prozent)
[16] Plunkett M, Neville CT, Chang JG. Genital Herpes: Rapid Evidence Review. Am Fam Physician. 2024;110(5):487 bis 492.
[17] Gupta N. Sexually Transmitted Infections: Part I: Genital Bumps and Genital Ulcers. Pediatr Rev. 2020.
[18] Geschlechtskrankheitengesetz (GeschlKG), StGBl. Nr. 152/1945 idgF, §1 und §4 (Beschränkte Meldepflicht). ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010272
[19] Martin ET, Krantz E, Gottlieb SL, et al. A Pooled Analysis of the Effect of Condoms in Preventing HSV-2 Acquisition. Arch Intern Med. 2009. (rund 30 Prozent Risikoreduktion bei konsequenter Nutzung)
[20] Magaret AS, Mujugira A, Hughes JP, et al. Effect of Condom Use on Per-Act HSV-2 Transmission Risk in HIV-1, HSV-2-discordant Couples. Clin Infect Dis. 2016. (96 Prozent Reduktion Mann zu Frau, 65 Prozent Frau zu Mann)
Öffentliche Quellen
Österreichische Gesellschaft für STD und dermatologische Mikrobiologie (ÖGSTD).
Aidshilfe Wien.
Sozialministerium Österreich.
Sexuell übertragbare Infektionen und Krankheiten.
